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18.08.2020

COVID-19 hinterlässt tiefe Spuren

Deutsche Bauelemente-Distribution schrumpft

© 123RF.com

Die Deutsche Bauelemente-Distribution schrumpft im zweiten Quartal um 22%. Die Aufträge gehen um 13% zurück. Hoffnung auf Erholung besteht laut Fachverband Bauelemente-Distribution zum Ende des Jahres. Der Verband mahnt die Politik zu einem "Innovations-Wumms".

© FBDi

Auftrags- und Umsatzentwicklung

Der COVID-19-Lockdown in Deutschland, der weite Teile der Industrieproduktion seit April lahmlegte, hat tiefe Spuren in der Auftrags- und Umsatzentwicklung der deutschen Bauelemente-Distribution hinterlassen. Der Umsatz der im Fachverband Bauelemente-Distribution (FBDi e.V.) organisierten Distributionsunternehmen ging um 22% auf 682 Millionen Euro zurück. Die Auftragslage entwickelte sich ähnlich negativ: -13% auf 643 Millionen Euro. Die Book-to-Bill-Rate sank mit 0,94 wieder auf das Niveau von 2019.

© FBDi

Marktentwicklung nach Produktgruppen

Auf Produktebene stechen vor allem die -29% bei den passiven Bauelementen hervor, die gegenüber Halbleitern (-17,8%) und Elektromechanik (-12,6%) weiter an Boden verloren. In absoluten Zahlen weisen die Halbleiter einen Umsatz von 468 Millionen Euro aus, die passiven Bauteile 77 Millionen Euro, die Elektromechanik 86 Millionen Euro und die Stromversorgungen 24 Millionen Euro. In der Umsatzverteilung stellen die Halbleiter 69% des Gesamtumsatzes, Passive nur noch 11%, Elektromechanik 13%, Stromversorgungen 4% und alle anderen Produktgruppen zusammen 3%.

FBDi: Einbruch nicht überraschend

FBDi-Vorstandsvorsitzender Georg Steinberger: „Nach den Ereignissen der letzten Monate ist dieser Einbruch nicht überraschend. Viele Kunden haben ihre Aufträge verschoben, die Lage in der Supply-Chain ist nicht sehr transparent, es fehlen nach wie vor Transportkapazitäten aus Asien. Wir gehen davon aus, dass nach der Sommerpause eine Art Reset oder Bestandsaufnahme erfolgt und damit eine Neubewertung des künftigen Bedarfs an Bauelementen. Daran wird auch die positive Entwicklung in manchen Produktionsbereichen in Asien nichts ändern.“

Interessanterweise habe sich die psychologische Situation komplett gedreht und verlaufe umgekehrt zur realen Entwicklung, so Steinberger: „Während die IWF-Prognosen für das Jahr 2020 von einem Minus von 7,5% in der Wirtschaftsleistung in Europa ausgehen (Deutschland liegt bei -7%), hat sich die Stimmung in der Wirtschaft gedreht. Die von IHS Markit veröffentlichten PMIs (Production & Manufacturing Indices) stiegen in ganz Europa auf teils deutlich über den Wert 50, was Hoffnung auf Wachstum bedeutet. Sollte sich die positive Stimmung in Wachstum in der zweiten Jahreshälfte verwandeln, steht auch der Bauelemente-Distribution ein interessanter Herbst bevor.“

Anreize aus der Politik gefordert

Allerdings fehlt aus FBDi-Sicht nach Meinung von Steinberger der Anreiz aus der Politik, um Technik zur gesellschaftlichen Veränderung in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu nutzen: „Wir wissen, dass Technologie nicht alles kann und auch nicht alle Sünden der Vergangenheit wettmachen kann. Wir wissen auch, dass Technologie ihre eigenen Herausforderungen wie Elektronikschrott, Konfliktmineralien und dergleichen hat, an denen wir arbeiten müssen.“

„Was wir uns jedoch wünschen, ist, dass in einer Zeit, in der Abermilliarden von Euro zur Rettung von allen möglichen Wirtschaftszweigen ausgegeben werden, wenigstens Innovations-Impulse gesetzt werden, um unser Land nachhaltiger, digitaler und klimaneutraler zu gestalten. Es ist beschämend, dass seit 15 Jahren Stillstand in der Klimapolitik herrscht. Erneuerbare Energien werden eher blockiert als gefördert, umweltfreundlichere Antriebe fallen dem Lobbyismus zum Opfer und digitale Offensiven sind überwiegend Papiertiger, die im Föderalismus-Chaos untergehen. Wo bleibt der langfristig orientierte Innovations-Wumms?“

FBDi

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