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Neuwagenabsatz: Europa im Rückwärtsgang 26-06-12

Die weltweite Automobilindustrie bleibt ein Wachstumsmarkt. Bis 2016 wird der globale Neuwagenabsatz nach einer Untersuchung des internationalen Beratungsunternehmens AlixPartners von heute 78 Millionen Fahrzeugen auf knapp 98 Millionen Fahrzeuge steigen. Getrieben wird dieses Wachstum vor allem durch die weiter steigende Nachfrage in China und anderen asiatischen Ländern, aber auch durch ein Anziehen der Märkte in Amerika und Osteuropa.

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In Westeuropa droht jedoch nach der Krise der Jahre 2008 und 2009 ein zweiter Marktrückgang in diesem und dem nächsten Jahr: Nach 14,4 Millionen verkauften Fahrzeugen im Jahr 2011 werden im laufenden Jahr voraussichtlich nur 13,5 Millionen Neufahrzeuge einen Käufer finden. Einzelne Länder wie Italien und Frankreich erleben dieses Jahr einen Nachfragerückgang von mehr als 10 Prozent und befinden sich damit auf einem Niveau wie in den 80er Jahren. Für 2013 wurde bisher von vielen Marktbeobachtern eine leichte Erholung des Marktes vorausgesagt; auf Basis der jüngsten makroökonomischen Indikatoren ist allerdings auch im nächsten Jahr mit einem weiteren Abkühlen der Nachfrage in Westeuropa zu rechnen. In diesem Jahr wird der westeuropäische Automarkt erneut um rund eine Million Einheiten auf dann 13,5 Millionen Neuwagen zurückgehen. Damit fehlen der Branche 3,3 Millionen Autoverkäufe gegenüber 2007 – davor hatte der Absatz zehn Jahre lang stabil bei 16 bis 17 Millionen Fahrzeugen jährlich gelegen. Der Marktrückgang verteilt sich nicht gleichmäßig über Europas Landkarte, sondern zeigt klare Schwerpunkte: Zweistellige Einbrüche des Neuwagenabsatzes verzeichnen Belgien, Italien und Frankreich, während der Rückgang in Großbritannien, Deutschland und Spanien mit 0,8 bis 2,4 Prozent relativ moderat ausfällt. In Russland und Polen wächst der Markt sogar leicht. Absolut gesehen verlieren vor allem die großen Märkte – Frankreich mit einem Minus von 281.000 Autoverkäufen und Italien mit einem gegenüber dem Vorjahr um 235.000 Einheiten verringerten Absatz. Die Gründe für die rückläufige Autokonjunktur in Westeuropa liegen in der Unsicherheit der Verbraucher durch die Eurokrise und die weiterhin hohe Arbeitslosigkeit von europaweit über zehn Prozent. Dies hemmt den privaten Konsum, der im Jahr 2012 EU-weit um nur 0,3 Prozent steigt, und im nächsten Jahr voraussichtlich um 0,5 Prozent sinken wird. „Unter diesen Voraussetzungen wird eine Markterholung im Jahr 2013 schwierig – wir gehen eher von einer weiter abkühlenden Nachfrage in Westeuropa aus.“, sagt Jens Wiese, Director bei AlixPartners. Verschärft wird die Situation in Europa durch anhaltende Überkapazitäten. Während die Krise von 2008 und 2009 in den USA zu einer Gesundschrumpfung der Automobilindustrie genutzt wurde, hielt die europäische Politik beinahe alle Werke am Leben: 18 US-Werke schlossen in den letzten vier Jahren, so dass jetzt eine durchschnittliche Werksauslastung von 88 Prozent für eine rentable Produktion sorgt und den amerikanischen Autobauern eine Kapitalrendite von knapp zehn Prozent beschert. Dagegen wurden im selben Zeitraum nur drei Automobil-Werke in Westeuropa geschlossen, gleichzeitig aber acht osteuropäische Werke neu eröffnet. Entsprechend liegen heute 40 Prozent der europäischen Werke der Automobilhersteller unterhalb der Rentabilitätsgrenze, die bei einer Auslastung von rund 75 bis 80 Prozent erreicht wird. Derzeit arbeiten nur die Premium-Hersteller sowie Hyundai und VW mit zufriedenstellenden Auslastungsquoten von über 85 Prozent. Nicht ausgelastete Werke finden sich vor allem in Frankreich, Italien und Spanien, während die Werke in Großbritannien, Deutschland und Tschechien derzeit mehrheitlich ungefährdet sind. „Überkapazitäten sorgen nicht nur für eine ungenügende Auslastung und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Werke; sie zwingen die Hersteller auch, ihre Fahrzeuge mit Hilfe hoher Preisnachlässe in den Markt zu drücken,“ sagt Stefano Aversa, Co-Präsident und Europachef von AlixPartners. So werde beispielsweise auf dem deutschen Markt derzeit ein durchschnittlicher Rabatt von 2.400 Euro je Neuwagen gewährt, 2007 waren es noch 2.200 Euro. „Dauerhaft muss die Produktion in Europa dem Bedarf angepasst werden“, so Aversa. „Erst dann können die Hersteller wieder profitabel wirtschaften.“ (oe)

 






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