Die Deutschen lieben Autos - aber ein Elektroauto würden sie deswegen noch lange nicht kaufen. Ganz anders sieht es in China aus, dort haben viele Autofahrer den Kauf eines Elektroautos fest eingeplant. Zwei neue Studien zeigen, welche Chancen neue Antriebe beim Kunden wirklich haben. Politiker wollen das Elektroauto, viele Fachleute wollen das Elektroauto, und ja, selbst viele Automobilhersteller wollen inzwischen das Elektroauto. Und die Autofahrer? Ja, nur nicht für jeden Preis und die Akzeptanz von Elektroautos hängt stark davon ab, in welches Land man schaut.
Laut einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young etwa sind es bei weitem nicht die Deutschen oder die Japaner, die der Elektrifizierung des Automobils am meisten entgegenfiebern. Nein, vor allem Chinesen haben ein großes Interesse an Autos mit Elektroantrieb. 60 Prozent der von Ernst Young befragten Chinesen interessieren sich sehr für Elektroautos oder Autos mit Hybrid-Antrieb - fast fünfmal mehr als in den USA, Deutschland, Großbritannien und Japan. Und dies, obwohl sich die in der Volksrepublik befragten Autofahrer am wenigsten mit all den verfügbaren Technologien vertraut sind. Kaufen würden sie dennoch ein Elektroauto.
Vor allem Japaner sind hingegen skeptisch. Mögen japanische Autohersteller wie Toyota und Honda auch den Hybrid-Antrieb erst weltweit populär gemacht haben, im eigenen Land interessieren sich nach eigenen Angaben nur sieben Prozent der Befragten für Hybrid- oder Elektroautos und 20 Prozent der Japaner haben überhaupt noch keinen Gedanken daran verschwendet, ein Elektro- oder ein Hybrid-Auto zu kaufen. Auch Deutsche tun sich schwer, wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC) in einer gemeinsamen Studie mit dem Fraunhofer Institut festgestellt hat.
Demnach können sich 81 Prozent der potenziellen Nutzer in absehbarer Zeit nicht vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen. Maßgeblicher Grund: Das Elektroauto erfüllt die Bedürfnisse der Nutzer noch nicht. Das gilt ganz besonders für den Preis, der 66 Prozent vom Kauf abschreckt. Erst wenn dieser sinkt, können sich 89 Prozent der Befragten überhaupt erst vorstellen, ein Elektroauto zu kaufen. Viel spricht also dafür, dass Autofahrer konservative Kunden sind, wie PWC etwa mit Blick auf das Mobilitätsverhalten der Deutschen feststellt.
Demnach fahren viele Deutsche genau das Auto, dass ihren Mobilitätsansprüchen am ehesten entspricht. Das muss das Elektroauto also auch tun. Konservativ sind Verbraucher weltweit allerdings auch bei der Art des Autoerwerbs. Egal ob in den USA, Europa, China oder Japan, leasen wollen nur die wenigsten ihr Auto. Ganz besonders in China können sich nur zwei Prozent vorstellen, ein Auto auf diese Weise zu erwerben. Und in Japan sieht das nicht viel anders aus.
Auf das Thema Umweltschutz beim Bewerben von Elektro- und Hybrid-Autos sollten die Autohersteller gleichfalls nicht zu viel Wert liegen. Denn Umweltschutz allein, etwa ein niedriger CO2-Ausschuss, bringt Verbraucher nicht dazu, Geld für vergleichsweise teurere Technologien auszugeben - ganz anders sieht es da bei einem niedrigen Kraftstoffverbrauch aus, dem mit Abstand wichtigsten Kaufkriterium, wenn es ums Elektroauto geht, wie auch die Ergebnisse zu deutschen Fahrern von PWC nahelegen. Nicht unterschätzen sollten Autohersteller auch, wie wichtig Autofahrern die Reichweite ihres Fahrzeugs ist.
Auch wenn nur zwei Prozent der Befragten tatsächlich mehr als 160 Kilometer am Tag fahren, lehnen 60 Prozent ein Fahrzeug ab, dass diese Entfernung nicht überbrücken kann. Auch diese Erkenntnis dürfte manche Autohersteller vor Probleme stellen - schließlich klammern sich einige Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Elektroautos noch an die Hoffnung, dass Konsumenten sich auch mit einer geringeren Reichweite zufrieden geben könnten. Ein Trugschluss, wie manch andere Annahme zum Elektroauto auch. (oe)